Misstände in der SKG erzwingen Rücktritte!

Details die zur Demission aus dem Zentralvorstand der SKG von Frau Dr. vet. M. Zähner führten. Das an den Zetralvorstandspräsidenten gerichtete Schreiben spricht für sich.



Dr. Marlene Zähner, Gugelmattstr. 36, 8967 Widen
Herrn
Peter Rub
Zentralvorstand (ZV) der SKG
8967 Widen, 24.7.98

Lieber Peter,
sehr geehrte Kollegen des Zentralvorstandes der SKG,

Wir alle waren uns bewusst, kein leichtes Erbe anzutreten, als wir am 13. Dezember 1997 unsere ehrenvolle Wahl in die Verbandsführung annahmen und auch feierten. Ich habe im Gefolge der Wahl trotz aller Kämpfe, offener und versteckter Angriffe, sehr viel Unterstützung von Seiten der "Basis" erfahren und das Vertrauen gespürt, dass der neue ZV die verfahrene und marode Situation der SKG retten, die Gefahr des Auseinanderbrechens bannen könne. Diese bestand zunehmend aufgrund der Diskrepanz zwischen aktiven und tatkräftigen Sektionen in vielen Bereichen und einer nahezu lahmgelegten Führung. In unserem, erneuerten Führungsgremium ist auch der Wille jedes einzelnen zu verspüren gewesen, die enorme Aufgabe, den in Schieflage geratenen Verband mit seinen vielfältigen Aufgaben wieder aufzurichten - mit grossen persönlichem Einsatz zu bewältigen.

Leider musste ich bald feststellen, dass die Erneuerung des Zentralvorstandes allein noch nicht genügt. Alles Engagement und noch so viel ehrenamtlicher Einsatz unsererseits nützen nichts, wenn das professionelle Herz der SKG, das Sekretariat und die Stammbuchverwaltung die von einer modernen Dienstleistungsstelle geforderte Leistung nicht erbringen. Eine Reihe von Vorkommnissen im letzten halben Jahr lassen mich zweifeln, ob ohne grundlegende Reorganisation der Geschäftsstelle eine Verbesserung zu erreichen ist. Als Verantwortliche des AA Zuchtfragen bin ich auf die volle Unterstützung des Sekretariats angewiesen, dabei jedoch immer wieder mit einer Mischung aus Abwehr und Unfähigkeit konfrontiert worden. Wichtige Dienstleistungen werden verschleppt, die einzelnen Mitarbeiter/innen scheinen nahezu autonom zu agieren, nicht gewillt, die eingefahrene Routine und Hierarchie umzustellen. Das zu Beginn unserer Amtszeit einzelne Aufträge verweigert wurden, kann noch mit Umstellungsschwierigkeiten und Personalengpässen erklärt werden. Dazu gesellten sich aber in kurzer Folge weitere Vorkommnisse, die sich nicht mit längerer Abwesenheit von Mitarbeitern entschuldigen lassen.

  • Die Vernehmlassung zur Gen Lex Motion wird trotz rechtzeitiger Uebergabe an P.Ryser zur Erledigung und Weiterleitung an den Bundesrat liegengelassen und kann nur noch durch direktes Einschreiten von H. Von Arx und mir und einem Expressversand termingerecht weitergegeben werden.
  • Der Brief an die Mitglieder der Rasseclubs bezüglich des Rutenkupierverbotes wurde trotz klarer mehrmaliger Anweisung erst nach Publikation im Fachorgan Hunde verschickt. Grund soll das späte Eintreffen der französischen Version gewesen sein. Diese wurde aber nachweislich termingerecht eingeschickt, aber auf der Geschäftsstelle verlegt.
  • Sanktionen und Anträge werden zum Teil erst Monate nach Eintreffen auf der Geschäftstelle an den AA Zuchtfragen weitergegeben, z.B. XXXclub, Fall XXX, Fall XXX etc..
  • Zuchtregelement XXX Klub (26.5.98) kommt ohne genauen Angaben, Ryser bekommt Auftrag den Club zu bitten die Angaben nachzuschicken. 27.7.98 ist der Auftrag noch nicht durchgeführt. Angeblich hat Frau Stalder den Auftrag nicht durchgeführt.
  • Vom ZV angenommene und an P.Ryser zur weiteren Erledigung übergebene Zuchtreglementsänderungen werden trotz mehrmaligen klaren Aufträgen nicht zur Unterschrift weitergegeben und liegen noch 3 Monaten später unerledigt auf der Geschäftsstelle (z.B. ZR BBCS).
  • Auftrag an P. Ryser klar bestimmte Rasseclubs, welche eine ZR Aenderung beantragten, zu benachrichtigen, dass sie unter gewissen Bedingungen in den Fachorganen ausschreiben können, wird nicht ausgeführt (z.B. XXX Club).
  • Obwohl lange bekannt war, dass die Mitarbeiterin Frau Rüfenach während längerer Zeit krankheitshalber ausfällt, wurden keine Massnahmen ergriffen um ein Anstauen von Arbeit zu verhindern. Erst als die Arbeit gar nicht mehr termingerecht erledigt werden konnten, wurde Hilfspersonal eingestellt, welches wie erwartet, diese Aufgabe nicht genügend erfüllen konnte.
    Folge: unzählige Kunden warten Wochen-, ja zum Teil monatelang auf ihre Urkunden (z.B. XXX, PON, XXX, Afghanen, XXX, Whippet etc etc) unzählige mit Recht erboste Zuchtwarte und Rasseclub Vorstandsmitglieder.
  • Das mit der Reorganisation des Gütezeichens anvertrauten Ausschussmitglied fordert für die neuen FZK- Kontrolleure Einladungen für die Neuzüchtertagung an. Diese kommen, aber ohne Einzahlungsschein. Bei der Nachfrage auf der Geschäftstelle sagt ihr der Geschäftsführer: Ja wissen Sie, bei uns klappt eben nichts zum erstenmal!!
  • Es werden laufend telephonisch Fehlinformationen ohne mit der AA Präsidentin Rücksprache zu halten, abgegeben: z.B. XXX Club (es wird telephonisch die Bewilligung erteilt mit einem nicht angekörten Rüden zu züchten, wird zum Sanktionsfall); Besitzer Dogo Argentino (soll doch den Hund in Deutschland ankören lassen, es gäbe keinen Rasseclub); Fall XXX, Information an Dr.J.XXX (teilt Dr.XXX mit, dass Microchipen beim XXX Club erlaubt ist, was im Juni 98 nicht der Fall ist); Fall XXX, (sie erhalte die Stammbäume nicht weil ein Sanktionsverfahren beim AA Zuchtfragen laufe, stimmt nicht) etc..

All dies offenbart eine erschreckende Ineffizienz und mangelhafte Organisation der Zentralstelle. Markiert wird dadurch auch offenbare Führungsschwäche. Die administrative Führung des Sekretariates liegt in der Hand des Geschäftsführers. Die Oberaufsicht und damit schlussendliche Verantwortung liegt beim ZV, bei Ihnen und bei mir und insbesondere bei unserem Präsidenten. Ein entscheidender Grund zu diesem Brief liegt in der Bemerkung des Präsidenten mir gegenüber, dass wichtige Informationen aus dem AA Zuchtfragen der Zentrale nicht mitgeteilt würden. Ich muss mit aller Deutlichkeit festhalten, dass sämtlicher Geschäftsverkehr aus dem AA Zuchtfragen über das Sekretariat geleitet wird, die Information demnach offenbar innerhalb des Sekretariats steckenbleibt. Obschon die Stammbuchverwaltung der Geschäftsstelle untersteht, werde ich aufgrund der engen personellen Verflechtung unter meiner Vorgängerin, Frau Eva Walliser, von der "Basis" nach wie vor verantwortlich gemacht. Deshalb kann mir diese Situation nicht gleichgültig sein.

Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen, das erste halbe Jahr unter dem neuen ZV konnte noch als Uebergangsphase aufgefasst werden. Es ist jedoch unerlässlich, dass wir jetzt die Weichen stellen müssen, um nicht zuviel Vertrauen zu verlieren. Jede Dienstleistungspanne des Sekretariates wird Ende des Jahres uns zur Last gelegt werden. Ebenso müssen wir aber bewusst sein, dass der ZV auch sich selbst kritisch hinterfragen muss. Ich stelle eine bedenkliche Tendenz fest, aus Angst vor den Vorwürfen der Verschwendung, die an den "alten" ZV gerichtet wurde, in eine neue Einseitigkeit zu verfallen. Bei allen Sparühungen darf es nicht sein, dass allein finanzielle Ueberlegungen ein Geschäft blockieren können, bevor die umfassende Diskussion im ZV stattgefunden hat. Schon gar nicht darf es vorkommen, dass einzelne Mitglieder vom Gremium gefasste Beschlüsse im Nachhinein mit finanziellen Begründungen eigenmächtig umstossen. Dadurch wird es mir unmöglich, die Gesamt- verantwortung mitzutragen. Die gegenwärtige Spesenregelung ist, als Reaktion auf die Freizügigkeit unserer Vorgänger, unhaltbar kleinlich. Ich bin durchaus gewillt, mein Amt ehrenamtlich auszuführen. Ehrenamtlichkeit hat aber seine Grenzen und beinhaltet nicht, dass einzelne ZV Mitglieder auch noch die Spesen selber tragen müssen. Insbesondere stossend ist, dass einzelne ZV Mitglieder, mit welchen Begründungen auch immer, grosszügigere Spesenvergütungen für sich in Anspruch nehmen können als andere.

Da ich nicht gewillt bin, für diese Fülle an Problemen auch nur moralisch verantwortlich gemacht zu werden, gescheige denn, ehrenamtlich einen Grossteil meiner Freizeit zu opfern ohne wenigstens den Versuch gemacht zu haben, eine Aenderung herbeizuführen, erlaube ich mir folgende Forderungen zu stellen.

Bezüglich Organisation ZV:

Es wird eine für alle ZV Mitglieder gleichermassen verbindliche und gültige Spesenregleung eingeführt, gemäss der für Extraleistungen für alle die gleichen Abgeltungen möglich sind. Diese werden in der Rechnung offengelegt. Meiner Vorgängerin wurde nicht zum Vorwurf gemacht, dass sie Spesen bezogen habe oder gar ihre Leistung bezahlt worden sei, sondern dass diese Zahlungen verdeckt und entgegen den Statuten erfolgten, zum Teil in Form überhöhter Spesen.

Bezüglich Organisation Geschäftstelle/Stammbuchverwaltung:

  • Der ZV erstellt ein Forderungsprofil an den Geschäftsführer. Diese wird vom Ausschuss des ZV mit ihm besprochen und in eine Pendenzenliste mit Fristen umgearbeitet.
  • Die Verantwortlichkeit auf der Geschäftstelle werden neu geregelt. Die spezifischen Aufgaben und Kompetenzen des Geschäftsführers werden in einem Pflichtenheft festgehalten, nebst (selbstverständlichen) der Uebertragung der Gesamtverantwortung. Die Regelung der Administration kann vom ZV oder Präsidium aus geschehen. Wir haben aber einzugreifen und den GF zur Verantwortung zu ziehen, wenn wir feststellen, dass diese nicht funktioniert.
  • Der Geschäftsführer erarbeitet seinerseits mit jedem/jeder Angestellten ein Pflichtenheft, aus dem klar hervorgeht, was von ihm gefordert wird.
  • In den Pflichtenheften werden die Stellvertretungen klar geregelt. In Zukunft wird keine Verschleppung von Geschäften mehr geduldet. Die Geschäftsstelle und das SHSB sind so zu reorganisieren, dass zu Geschäftszeiten jederzeit eine zuständige Person anwesend ist.
  • Mit allen Mitarbeitern wird vom ZV-Ausschuss ein persönliches Gespräch geführt, aus dem klar hervorgeht, dass der ZV nicht gewillt ist, Unloyalität und Verweigerungshaltung noch mangelhafte Leistung hinzunehmen und vom Geschäftsführer verlangt wird, im Falle wiederholter Vorkommnisse Massnahmen zu ergreifen, die bis zur Entlassung gehen können. Dazu wird vom Geschäftsführer gefordert, Vorkommnisse zukünftig mit einem schriftlichen Verweis festzuhalten und unterschreiben zu lassen.
  • Ich wünsche eine offene Diskussion im ZV, (unter Ausschluss sämtlicher nicht dem ZV Angehörigen (auch des Geschäftsführers), ob dieser in einen Managementkurs geschickt oder XXXXXXX soll.

Für den zeitlichen Rahmen haben wir nicht mehr viel Spielraum. Spätestens im Januar 1999 müssen die Massnahmen greifen, was nur unter Einhaltung der folgenden Termine möglich ist:

Traktandieren des Geschäftes" Reorganisation Geschäftsstelle" als Haupttraktandum für die nächste ZV Sitzung vom 3.September, Vorausversand dieses Briefes an alle ZV Mitglieder bis 15. August 1998.

Erarbeitung eines Vorschlages für die neue , für alle verbindliche Spesenregelung zur Verabschiedung an der nächsten ZV Sitzung.

Bildung des ZV Ausschusses "Reorganisation GS" an der nächsten ZV Sitzung.

Gespräch mit GF und Formulierung Pflichtenheft GF (durch GF selbst!) bis 20.9.98. Definitive Festlegung des Pflichtenheftes per Zirkulationsschreiben oder GLA- Beschluss bis 15.9.98.

Gespräch GF mit Mitarbeiter/innen und Formulierung der Pflichtenhefte bis 15.10.98 Umsetzung der Reorganisation GS (Neue Arbeitsabläufe) bis 30.10.98.

Erste Evaluation der neuen Organisation der GS am 15.12.98.

Ich hoffe, mit diesem Brief den Anstoss zu geben, dass die unbefriedigenden Zustände auf unserer Zentrale geklärt werden und spätestens im Jahre 1999 eine erfreuliche Zusammenarbeit in einem offenen Arbeitsklima möglich sein wird. Ich bin mir durchaus bewusst, dass diese Forderung zu harten Entscheidungen auch personeller Art führen könnte, da das schlechte Arbeitsklima nicht zuletzt von Machtansprüchen und persönlichen Animositäten, die unter der alten Führung aufgebaut wurden, geprägt ist.

Wir sind in unser Amt gewählt worden mit dem Anspruch die Führung der SKG zu erneuern. Ich stelle fest, dass wir in einem ähnlichen Fahrwasser wie unsere Vorgänger ins Strudeln zu geraten drohen. Wir lassen uns, jeder in seinem Ressort, durch die tägliche Kleinkram isolieren, während die Administration der GS in autonomer Ineffizienz weiterwaltet. Ich bin am Punkt angelangt, wo ich mein Engagement im ZV überdenken muss, falls es uns nicht gelingt, eine Wende herbeizuführen.

Ich hoffe allerdings, dass Sie diesen Brief als das verstehen, was er gemeint ist: ein Aufruf zur Zusammenarbeit im Bestreben für die SKG eine bessere Zukunft zu gestalten.

Mit freundlichen Grüssen
Marlene Zähner

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